by default | brigitte kowanz and kristina nagel

17 November 2026 - 30 Januar 2027 Munich
Übersicht

by default zeigt Arbeiten von Brigitte Kowanz und Kristina Nagel, die das Verhältnis zwischen sichtbarer Erscheinung und verborgener Präsenz untersuchen. Nachwirkungen und Latenzen prägen Bilder, in denen bereits etwas angelegt ist, ohne unmittelbar erkennbar zu sein. Zeichen und körperliche Eindrücke erscheinen dabei nicht als abgeschlossene Formen, sondern als Träger von Informationen und Erfahrungen, die sich erst allmählich erschließen. Bei beiden Künstlerinnen entstehen solche Zwischenzustände durch Prozesse der Übertragung, Wiederholung und materiellen Transformation.

 

Kristina Nagel (Frankfurt am Main, DE) entwickelt in ihrer fotografischen Arbeit eine autonome Bildsprache im Spannungsfeld von Körperlichkeit, Materialität und Form. Leder bildet dabei einen konstanten Bezugspunkt in ihrer Arbeit und wird in der aktuellen Werkgruppe zum materiellen Gedächtnis physischer Präsenz. Die darin eingeschriebenen Spuren lösen sich zunehmend von der individuellen körperlichen Zuschreibung und entwickeln eine eigene bildsprachliche Qualität. Die neuen Arbeiten überführen diese Spuren in eine eigenständige formale Ordnung, in der Oberfläche, Struktur und Abstraktion neu zueinander in Beziehung treten. Das Zurücktreten des Individuellen ist dabei nicht als Abwesenheit zu verstehen, sondern als Freisetzung eines bildnerischen Potenzials, das über die körperliche Referenz hinausweist.

 

Bei Brigitte Kowanz (1957-2022 in Wien) werden Licht, Sprache und Information durch Reflexionen, Wiederholungen und Codierungen in neue Erscheinungsformen überführt. Spiegelnde Oberflächen erweitern und vervielfachen einen Ausgangspunkt, bis sich Ursprung und Erscheinung nicht mehr eindeutig voneinander trennen lassen. Neon-Schriftzüge verbinden Sprache unmittelbar mit Licht und verwandeln Zeichen in visuelle und räumliche Strukturen. Information wird sichtbar, ohne zwangsläufig unmittelbar lesbar zu sein. Zwischen materieller Konstruktion und immaterieller Erscheinung eröffnen sich Räume, in denen Bedeutung nicht feststeht, sondern sich erst im Zusammenspiel von Werk, Umgebung und Betrachtung entfaltet.

 

Die Arbeiten von Kowanz und Nagel richten in by default den Blick auf das, was zwischen ursprünglichem Impuls und Nachbild erfahrbar bleibt, und beschäftigen sich mit Zuständen, in denen Vergangenes in veränderter Form fortbesteht. In Nagels Fotografien bleiben die Einwirkungen auf das Material auch nach dem Verschwinden des Körpers erhalten, während Kowanz durch Reflexion und Codierung Licht und Information fortlaufend verändert.

 

Opening
Dienstag 17 November
18 – 21 Uhr

works