exhibition | seoul, kr

ju young kim eröffnet ihre einzelausstellung holding lounge bei p21 in seoul

P21 in Seoul eröffnet am 20. März 2026 Holding Lounge, die erste Einzelausstellung der in München lebenden Künstlerin Ju Young Kim in Südkorea.

Mit Holding Lounge verwandelt Kim den Ausstellungsraum in ein hybrides Setting zwischen Flugzeugkabine, kleinem Museumsraum und anonymem Bürointerieur. Die Installation erinnert nicht die helle, offene Atmosphäre einer Airport Lounge, sondern vielmehr an den ruhigeren Bereich hinter einem Vorhang während eines Fluges, eine halbprivate Zone, die zugleich überraschend öffentlich wirkt. Der Raum trägt die Neutralität und leise Bürokratie eines Büroarbeitsplatzes, ein Ort, der für Funktion entworfen ist, nicht für Komfort.

 

Ein Vorhang ist in leichtem Winkel an einer Raumecke befestigt und wirkt wie eine provisorische Büroabtrennung, die den Raum strukturiert, ohne ihn vollständig zu teilen.  Der gesamte Raum erscheint leicht verschoben, als befände er sich zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen der Sprache des Flugverkehrs und der Routine administrativer Innenräume.

 

Im Zentrum steht eine Skulptur aus einer Flugzeugflügelklappe, kombiniert mit Glasmalerei. Das Objekt wirkt zugleich technisch und beinahe archäologisch, wie ein Überrest einer Struktur mit einst klarer Funktion, der nun in den Bereich der Erinnerung übergegangen ist. Von vorne betrachtet erscheint es wie eine präzise, glatte Außenhaut, zugleich aber leicht domestiziert, fast wie ein kostbares Objekt, das in einem neutralen Raum bewahrt wird.

 

Eine zweite Arbeit vertieft dieses Zusammenspiel aus unterschiedlichen Zeitschichten und Kontexten. Sie besteht aus einer Flugzeugtür, überzogen mit einem in Silberlot gezeichneten Jugendstilmuster und einer ornamentalen Schicht aus Glasmalerei auf der metallischen Oberfläche. Die präzise Ingenieursstruktur der Tür trifft auf die fließende Formensprache architektonischer Ornamentik. Zwei Welten liegen dicht beieinander: der industrielle Körper des Flugzeugs und der dekorative Geist historischer Innenräume. Es wirkt, als hätte sich ein Portal oder Fenster aus einer anderen Zeit auf der Haut moderner Mobilität niedergelassen und Erinnerungen an Gebäude, Räume und Wohnwelten in einen Kontext übertragen, der eigentlich für permanente Bewegung gedacht ist.

 

Ein mit Glasmalerei collagiertes EXIT-Schild hängt vor dem Vorhang. Es erinnert an Sicherheitssignale aus Flugzeugkabinen, Bürofluren oder Museumsräumen. Zwar verspricht es Orientierung, wirkt zugleich jedoch fragil, als sei die Idee des Ausgangs selbst unsicher geworden. Das Zeichen wird zu einem Hinweis auf Richtung ohne Gewissheit, zu einer Einladung ohne klares Ziel.

 

Gemeinsam erzeugen diese Elemente einen Raum, in dem sich die Architektur des Reisens, die konzentrierte Aufmerksamkeit des Museums und die anonyme Ruhe von Bürointerieurs überlagern.

 

ju young kim

holding lounge

20 März – 24 April 2026

 

66 Hoenamu-ro,
Yongsan-gu, Seoul

 

continue reading...

12 März 2026